Warum auch dumme Fragen wichtig sind und wie man sich überwindet, sie zu stellen

Neulich gab es auf Perspective Daily einen Beitrag, der sich klugerweise mit dummen Fragen auseinandergesetzt hat. Ein Thema, mit dem jeder Mensch Erfahrung hat, das aber selten zum Thema gemacht wird. Wer hat nicht schon mal genervt die Augen verdreht, wenn er eine dumme Frage gestellt bekam? Allerdings kennen die meisten von uns auch den inneren Kampf zwischen dem brennenden Bedürfnis, eine Frage zu stellen, und der Angst, sich mit dieser Frage zu blamieren.

In ihrem äußerst lesenswerten Artikel erklärt Katharina Ehmann, warum dumme Fragen nichts mit Dummheit, sondern eher etwas mit Zufall zu tun haben, und warum auch vermeintlich dumme Fragen wichtig sind und beantwortet werden sollten.


Frag ich? Frag ich nicht?

Mein Hauptproblem mit dummen Fragen, eigentlich mit Fragen allgemein, ist, dass ich mich erstmal trauen muss, sie zu stellen. Das ist oft gar nicht so einfach! Eine Frage zu stellen, birgt schließlich immer ein gewisses Risiko. Um eine Antwort zu bekommen, muss man zuerst eine Wissenslücke offenbaren. Man muss zugeben, dass man etwas nicht weiß und riskiert damit, für dumm, unsicher oder ungebildet gehalten zu werden.


Überwindungshilfen

Während meiner Zeit an der Uni hab ich viel Erfahrung darin gesammelt, Menschen, die klüger, gebildeter und erfahrener waren als ich, Fragen zu stellen. Bei jeder Frage musste ich mich auf’s Neue überwinden. Im Laufe der Zeit habe ich aber die folgenden drei Gedanken ausgewählt, die mir seitdem als Überwindungshilfen dienen:

  1. Es kann schon sein, dass ich für dumm/unsicher/denkfaul/ungebildet etc. gehalten werde, in den wenigsten Fällen werde ich aber etwas davon mitbekommen. Am wahrscheinlichsten ist es, dass ich eine Antwort auf meine Frage bekomme.

  2. Wenn ich diese Frage habe, haben sie andere wahrscheinlich auch. Es ist also gut möglich, dass ich mit meiner Frage auch anderen helfe.

  3. Und der wichtigste und überzeugendste Punkt:

    Niemand wird sich an meine Frage erinnern! Zumindest nicht für lange Zeit. Falls ich mich mit meiner Frage tatsächlich blamiere, werde ich mich wohl noch etwas länger an die unangenehme Situation erinnern. Die Person, der ich die dumme Frage gestellt habe, wird sie dagegen schnell wieder vergessen. Wir erinnern uns schließlich hauptsächlich an Dinge, die etwas mit uns zu tun haben, und Fragen, die uns jemand anders stellt, gehören in der Regel nicht dazu.¹ Oder erinnern Sie sich noch an eine Situation, in der Ihnen jemand eine dumme Frage gestellt hat? ²


Also los, fragen Sie, wenn Ihnen eine Frage auf der Seele brennt! Die einzig wirklich “dumme” Frage, ist die, über die man sich ärgert, weil man sie nicht gestellt hat!


Verweise

[1] Es sei denn, die Frage hat uns in eine unangenehme Situation gebracht, weil wir zum Beispiel die Antwort nicht wussten, aber dann erinnern wir uns hauptsächlich daran, wie wir uns in der Situation verhalten haben und nicht an die Person, die die Frage gestellt hat.

 

[2] Falls ja, an was erinnern Sie sich genau? Erinnern Sie sich an die Person, die die Frage gestellt hat, oder eher daran, wie Sie auf die Frage reagiert haben?

 

Foto von Ken Treloar auf Unsplash