Die guten Seiten des Silicon Valleys - die 5 Dinge, die mir hier am besten gefallen

Silicon Valley: Heimat der Tech- und Internet-Giganten Google, Apple und Facebook, Nährboden für tausende Start-ups und ein nettes Stück Kalifornien mit viel Sonne und Palmen. Aus irgendwelchen Gründen habe ich das Glück, hier zu leben, und ja, es kann schon ziemlich schön, aufregend und spannend sein. Hier ist meine Liste von Dingen, die ich am Silicon Valley besonders mag:  

 

1. Sonne, Sonne, Sonne, aber nicht zu heiß

Das Offensichtlichste vorne weg: Ja, das Wetter in Kalifornien ist gut. Vor allem hier in der Bay Area ist es ziemlich perfekt: Immer schön warm, selten zu heiß, noch seltener zu kalt. Die Luftfeuchtigkeit ist nicht zu hoch und Gewitter gibt es höchstens zwei Mal im Jahr. Selbst in den Wintermonaten ist es angenehm warm. Es kann auch mal auf 0 ͒ C runter gehen, aber das ist ziemlich selten. Das Wetter ist so schön und beständig, dass ich es oft vergesse, weil es einfach kein Faktor ist, um den man sich Sorgen machen muss. Es gibt keine Unwetterwarnungen, es ist nie glatt und man muss nie die Scheiben frei kratzen. Nur wenn es regnet, muss man ein bisschen vorsichtiger fahren, weil die meisten Autofahrer hier nicht an Regen gewöhnt sind.

 

2. Palmen, Kolibris, Strand und Wale

Es gibt schon einige Sachen hier, die Urlaubsgefühle hervorrufen, für mich sind das vor allem die Palmen! Palmen sind wahrscheinlich das schönste, was das Silicon Valley landschaftlich zu bieten hat. Oft machen sie das Einerlei aus hässlichen Bürogebäuden und sterilen Wohnanlagen, das große Teile des Silicon Valleys ausmacht, erträglicher.

Und es geht noch besser: es gibt nicht nur Palmen, sondern auch Kolibris! Die winzigen Summvögelchen, die aus Blumen trinken und Namen tragen wie Bienenelfe oder Schmuckelfe, sind für mich das magischste im Silicon Valley. Sie jeden Tag herumschwirren zu sehen, manchmal sogar auf unserem Balkon, macht mich einfach glücklich.

Wenn man ins Auto steigt und ein bisschen fährt, so um die 45 Minuten, wird es sogar noch besser: dann gibt es nicht nur Palmen und Kolibris, sondern auch noch Meer und Strand. Und mit ein bisschen Glück, wird es noch viel viel besser und es zeigen sich ein paar Wale. Südlich vom Silicon Valley - zwischen Santa Cruz und Monterey - gibt es dank Tiefseegraben eine sehr nährstoffreiche Meeresregion, die viele Wale anzieht. Oft kann man sie schon vom Strand aus sehen. Wenn man es wirklich drauf anlegt und eine Whale Watching Tour macht, kann man den Walen richtig nahe kommen. Ich werde nie den Moment vergessen, als ich bei der letzten Whale watching Tour auf’s ruhige Wasser geschaut habe, und plötzlich ein ganzer Wal herausgesprungen ist.

 

3. Die Zukunft spüren - das Hassloch Amerikas

Mit all den Start-ups und Tech-Giganten im nächsten Umkreis kann man hier ab und zu die Zukunft spüren oder was einmal die Zukunft sein könnte. Das Silicon Valley ist ein bisschen das Versuchslabor oder besser das Hassloch Amerikas. Das ist keine Beleidigung, sondern ein Ortsname: Hassloch ist das durchschnittlichste Dorf Deutschlands. Neue Produkte werden daher oft in Hassloch getestet, bevor sie in ganz Deutschland auf den Markt kommen. Silicon Valley ist sicherlich nicht die durchschnittlichste Region Amerikas, aber trotzdem werden hier oft neue Produkte und Dienstleistungen getestet, einfach weil sie hier entstehen. Hier ein paar Beispiele.

Elektroautos und selbstfahrende Autos

Das fängt schon auf der Straße an: Es gibt so viele Elektroautos, dass sie keine Besonderheit mehr sind, selbst Teslas sieht man mittlerweile recht häufig. Allein auf dem Weg zum Kindergarten heute morgen habe ich mindestens 5 Teslas gesehen. Ab und zu sieht man auch ein selbstfahrendes Auto von Google. Ansonsten hat ungefähr jedes vierte Auto einen Aufkleber der Fahrdienste Uber oder Lyft.

Science Fiction im Einkaufszentrum

Dieser Wachroboter erinnert an die Daleks aus der britischen Sci-Fi-Serie Doctor Who. Vielleicht ist er mir deshalb suspekt.

Dieser Wachroboter erinnert an die Daleks aus der britischen Sci-Fi-Serie Doctor Who. Vielleicht ist er mir deshalb suspekt.

 

Im Einkaufszentrum gleiten Wachroboter geräuschlos durch die Gänge und erinnern an Science Fiction Filme. Ich muss zugeben, dass sie schon etwas befremdlich wirken, weil man nie genau weiß, was sie machen und wozu sie fähig sind.

Pflege-Weihnachtsbäume statt gefällten Weihnachtsbäumen

Foto von  Daniil Silantev  auf  Unsplash

 

Als ich letztes Jahr in der Vorweihnachtszeit bei einer Freundin zu Besuch war, habe ich mich über ihren verhältnismäßig kleinen Weihnachtsbaum gewundert. Sie hat mich dann aufgeklärt, dass der Baum ein Pflege-Baum¹ im ersten Jahr sei. Ein Weihnachtsbaum, der nicht gefällt, sondern eingetopft wird und nach den Feiertagen wieder zurück in den Wald gebracht wird. Der Pflege-Weihnachtsbaum kommt als noch kleines Bäumchen zum ersten Mal in seine Pflegefamilie und verbringt dann mehrere Weihnachtsfeste dort. Jedes Jahr ist er ein Stück größer, bis er schließlich zu groß für’s Wohnzimmer ist und ganz im Wald bleiben darf. Falls die Familie ihr Bäumchen im Sommer vermisst, kann sie es in seinem Heimatwald besuchen und in seinem Schatten zelten.  

Heute im Angebot: 3-D-Drucker

Letzte Woche bin ich im Supermarkt vor Überraschung fast in meinen Einkaufswagen gefallen, als ich feststellte, dass es sich bei den komischen Kästen, die offensichtlich im Angebot waren, um 3-D-Drucker handelte.

Ich muss zugeben, dass nicht alle “Innovationen” aus dem Silicon Valley etwas taugen, aber es ist spannend, neue Ideen, Produkte und Entwicklungen zu entdecken,  zu sehen, wie sie in der Alltag eingehen, und sich dabei auszumalen, wie die Zukunft aussehen könnte.

 

4.  Zuerst das Positive anerkennen, dann die Kritik

Ich weiß nicht genau, wie das in anderen Regionen Amerikas ist, weil ich bisher nur hier in Kalifornien länger gelebt habe, aber mir gefällt die Begeisterungsfähigkeit, die positive Einstellung und der Optimismus, die hier zu spüren sind.  

Wenn ich hier in Kalifornien jemandem von diesem Blog erzähle, gibt es eigentlich immer positive Reaktionen:  “Das ist ja total spannend!”, “Wie toll, dass du das machst”, “Ich würde das auch gerne mal ausprobieren.” In Deutschland ernte ich dagegen meist kritische Blicke und hochgezogene Augenbrauen. Oft kommen auch besorgte Kommentare oder es wird schnell das Thema gewechselt.

Da tut es gut, einfach mal ein enthusiastisches “Ja, wie toll!” zu hören, statt einem verhaltenen, kritischen “Ja, aber…”. Diese direkte, positive Reaktion statt Kritik und Vorbehalten gibt es nicht nur, wenn es um den Blog geht, sondern bei Vorschlägen und Ideen allgemein. Das macht zumindest für mich einen großen Unterschied: Es motiviert und befreit mich, Ideen zu äußern, Vorschläge zu machen und etwas auszuprobieren, wenn ich mich nicht gleich auf Kritik gefasst machen muss. Es schadet ja auch nicht, dem Positiven an neuen Ideen und Projekten einfach mal mit einem “Ja!” Raum zu geben und es damit anzuerkennen. Für die Suche nach dem Aber bleibt danach immer noch Zeit.

Ich wurde schon öfter mit dem Vorurteil konfrontiert, dass Amerikaner oberflächlich seien. Und diese direkte, positive Reaktion könnte als Ausdruck dieser Oberflächlichkeit aufgefasst werden. Für mich hat sich dieses Vorurteil, aber noch nicht bestätigt. Ich hatte mittlerweile genug Gelegenheiten, mich länger mit diesen Menschen zu unterhalten, die erstmal das Positive sehen und hervorheben und die übrigens gar nicht alle Amerikaner sind, und habe die Erfahrung gemacht, dass sie keineswegs oberflächlich oder naiv sind. Sie sind durchaus fähig und willig kritisch zu denken und Kritik zu äußern, sie zeigen es nur nicht sofort mit dem Holzhammer.

Diese positiven und enthusiastischen Reaktionen sind mir übrigens noch nie begegnet, wenn es um den Präsidenten geht. Dann sind eher Scham und Trauer zu spüren.

 

5. Alle sind Ausländer

Das Silicon Valley macht es einem leicht, sich schnell wohl zu fühlen, wenn man neu ankommt. Ausländer zu sein ist hier normal. Ich bilde mir ein, dass es mir das auch etwas einfacher macht, selbst Ausländerin zu sein. (Allerdings habe ich auch keine anderen Erfahrungen zum Vergleich, weil ich bisher nur im Silicon Valley als Ausländerin gelebt habe.) Hier hat fast jeder irgendeinen Akzent und die meisten wissen, was es bedeutet, seine Familie, seine Freunde und alles Bekannte hinter sich zu lassen und in einem neuen Land ein neues Leben anzufangen.

Hier kommen Menschen aus so vielen verschiedenen Ländern und Kulturen zusammen, dass es schon fast egal ist, wo man herkommt, oder besser gesagt, dass es egal ist, dass man nicht von hier kommt.

Diese Vielfalt und dass sie so selbstverständlich ist, finde ich toll. Ein Besuch auf dem Spielplatz reicht, um mit Menschen unterschiedlichster Nationalität in Kontakt zu kommen. Ich muss mich eigentlich nur mit jemandem unterhalten und schon lerne ich so viel Neues. Ich bin dankbar, dass es für meinen Sohn selbstverständlich ist, dass Menschen unterschiedlich aussehen, unterschiedliche Sprachen sprechen und unterschiedliche Feste feiern. Für ihn ist es normal, dass er in seinem indischen Kindergarten oft das einzige weiße Kind ist.

 

Das sind die Dinge, die ich am Silicon Valley besonders schätze. Manchmal kann es wirklich aufregend sein, hier zu leben. Dass hier alles möglich scheint, inspiriert und motiviert mich und bringt mich dazu, mich neu zu erfinden und Dinge auszuprobieren, die ich sonst nie probiert hätte.

Weitere Beiträge zum Thema Leben im Silicon Valley:

https://www.psychophilie.com/blog/2017/7/28/wie-es-sich-anfhlt-im-silicon-valley-zu-leben

 

Verweise

[1] Weitere Informationen zu den Pflege-Weihnachtsbäumen gibt es hier: http://www.forevergreenchristmastree.com/

 

 

Beitragsbild von Carles Rabada auf Unsplash