Bin ich ein guter Autofahrer oder eine gute Autofahrerin? Warum es so schwer ist, diese Frage zu beantworten und wie man es schafft, besser zu fahren

Sind Sie ein guter Autofahrer oder eine gute Autofahrerin? Ja? Nein? Vielleicht?

Woran machen Sie das fest? Kommen Sie schneller am Ziel an als andere? Können Sie gut einparken? Verfahren Sie sich selten? Lassen Sie sich auch von den schlimmsten Bedingungen nicht aus der Ruhe bringen?

Hat Ihnen jemand gesagt, dass Sie gut (oder schlecht) fahren? Oder wissen Sie es einfach?

Gar nicht so einfach, das einzuschätzen! Wenn ich mich auf einer Skala von 1 bis 10 einstufen müsste, fände ich das sehr schwer. Je länger ich überlege, umso mehr Situationen fallen mir ein, in denen ich mich gar nicht so schlecht geschlagen habe. Wenn ich danach ginge, würde ich mich vielleicht auf einer 8 einstufen. Beim Nachdenken fallen mir dummerweise aber auch Situationen ein, in denen ich überfordert war oder Fehler gemacht habe. Danach würde mein Wert eher auf 5 fallen.

Beim Autofahren ist es schwer, eindeutig einzuschätzen, wie gut oder schlecht man darin ist. Natürlich gibt es ein paar offensichtliche Kriterien, wie etwa die Anzahl der Unfälle, die man verursacht hat oder wie oft man schon von der Polizei angehalten oder geblitzt wurde. Wirklich aussagekräftig in Bezug darauf, wie gut oder schlecht man die nächste Fahrt zum Supermarkt oder zur Arbeit meistert, ist das allerdings nicht. 

Vor kurzem habe ich das Buch “Traffic - why we drive the way we drive” von Tom Vanderbilt ¹ gelesen, in dem er das menschliche Fahrverhalten aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet und zeigt, wie viel Psychologie beim Autofahren am Werk ist. In “Traffic” erklärt Tom Vanderbilt auch, warum es so schwer ist, den eigenen Fahrstil einzuschätzen und Fehler beim Fahren zu erkennen. Er führt fünf Punkte an, die hauptsächlich dazu beitragen, dass wir so blind gegenüber unserem Fehlverhalten sind. Weil diese fünf Punkte bei mir für einige Aha-Erlebnisse gesorgt haben, musste ich sie unbedingt hier aufschreiben:


1. King or Queen of the road - wir halten uns für besser, als wir tatsächlich sind

Wenn man Leute befragt, wie gut sie Auto fahren, geben sie meistens an, dass sie besser als der Durchschnitt seien. Dass alle besser als der Durchschnitt sind, kann aber natürlich nicht sein! Es spricht eher dafür, dass es eine Verzerrung bei der Einschätzung gibt und wir uns tendenziell für bessere Fahrer und Fahrerinnen halten, als wir tatsächlich sind. Und dafür gibt es einige Anhaltspunkte: Dieser Besser-als-der-Durchschnitt-Effekt kommt häufiger vor. Er tritt besonders häufig bei Tätigkeiten mit diesen Eigenschaften auf:

Tätigkeiten, 

  • die wir für relativ einfach halten

  • bei denen wir die Kontrolle haben

  • die schwer einzuschätzen sind, weil es keine eindeutigen Kriterien gibt.

Alle drei Eigenschaften treffen auch auf’s Autofahren zu. Es ist also ziemlich wahrscheinlich, dass wir unsere Fahrkünste besser einschätzen als sie tatsächlich sind und je besser wir uns einschätzen, desto weniger rechnen wir damit, Fehler zu machen. 


2. Wir wissen es einfach nicht besser - Mangelndes Feedback und falsch verstandene Rückmeldungen

Wir tendieren also dazu, uns zu überschätzen. Das erklärt aber noch nicht, warum es uns so schwer fällt, einzuschätzen, wie gut oder schlecht wir fahren. Der Grund dafür ist einfach: Wir wissen nicht, wie es um unsere Fahrkünste bestellt ist, weil uns die notwendigen Informationen dazu fehlen. Wir bekommen so gut wie nie Rückmeldungen zu unserem Fahrverhalten. Der Großteil unserer Fahrten verläuft - glücklicherweise - ohne dass wir in eine gefährliche Situation geraten. Die meisten Fehler bleiben so allerdings unentdeckt. Es passiert nichts und wir fühlen uns wieder etwas sicherer hinterm Steuer.

Nix passiert! Ich kann halt einfach gut fahren!

Ab und zu macht sich aber doch ein Fehler bemerkbar und wir entkommen gerade so einem Unfall. Das wäre eigentlich eine Chance auf Feedback! Nachdem wir uns von dem Adrenalinstoß erholt haben, könnten wir in Ruhe darüber nachdenken, wie es zu dem Beinahe-Unfall gekommen ist und was wir falsch gemacht haben. Dummerweise denken wir so aber nicht. Meistens denken wir gar nicht darüber nach, wie es überhaupt zu der brenzligen Situation gekommen ist, stattdessen beglückwünschen wir uns, dass wir diese schwierige Situation gemeistert haben und sind stolz, was für tolle Autofahrer und Autofahrerinnen wir sind. Das Problem dabei ist, dass unser Fehlverhalten so unerkannt bleibt und wir gleichzeitig noch die falschen Verhaltensweisen verstärken: Nix passiert, obwohl ich so schnell gefahren bin und ganz schön scharf bremsen musste. Ich kann halt einfach gut fahren!

In den Fällen, in denen wir uns des Fahrfehlers bewusst sind, sind wir zwar schon einen Schritt weiter, haben dann aber mit einem anderen Problem zu kämpfen: Wir vergessen den Beinahe-Unfall und seine Ursachen schnell wieder. Wenn wir ihn nicht schon bei der Ankunft vergessen haben, dann ist er spätestens nach ein paar Tagen aus unserem Gedächtnis verschwunden. Um uns dauerhaft unseres Fehlverhaltens bewusst zu werden, bräuchten wir also regelmäßiges Feedback. 

Wie Feedback helfen kann

Dass regelmäßiges Feedback beim Fahren tatsächlich riskante Fahrweisen verbessern und Unfälle vermeiden kann, zeigt die Erfolgsbilanz der DriveCam der Firma Lytx. Wie der Name vermuten lässt, installiert DriveCam kleine Kameras im Auto. Am Rückspiegel angebracht, nehmen zwei Kameras die Person hinterm Steuer auf und das, was sie von dort aus sieht. Zusätzlich erfassen Sensoren die Bewegungen des Autos. Wenn ein Fahrer plötzlich bremst, ein Ausweichmanöver startet oder von der Fahrbahn abkommt, zeichnet die Kamera die 10 Sekunden vor und nach diesem Ereignis auf. Diese Aufnahme wird dann von der DriveCam an Lytx geschickt und dort analysiert. Wenn notwendig wird ein Training für den Fahrer oder die Fahrerin veranlasst. Mit Hilfe der Aufzeichnungen können die Fahrerinnen und Fahrer genau nachvollziehen, wie sie in gefährliche Situationen geraten sind und lernen, welche Verhaltensweisen dazu geführt haben. Was vorher unbewusst war oder als nicht so schlimm angesehen wurde, wird so sichtbar gemacht und kann in Zukunft kontrolliert und verändert werden. Laut lytx berichten die Unternehmen, die DriveCam nutzen, 50% weniger Unfälle und 76% weniger Verkehrsvergehen. ²   



3. Manchmal schalten wir einfach ab - Autobahntrance

Neben dem mangelnden Feedback ist ein weiteres Problem, dass wir nicht dauerhaft wachsam sein können. Sobald wir das Gefühl haben, dass wir alles unter Kontrolle haben, verhalten wir uns anders. Wir schauen aus dem Fenster oder telefonieren. Auch wenn wir uns unserer Fahrfehler mehr bewusst wären, wäre es schwer, ständig auf sie zu achten. Fahren ist eine automatisierte Tätigkeit, das heißt, die meisten Handlungen laufen dabei unbewusst ab, weil wir sie oft wiederholt haben. Das entlastet einerseits unser Gehirn und setzt Kapazität für andere Dinge frei, weil wir nicht über jede einzelne Bewegung nachdenken müssen, andererseits führt es aber auch dazu, dass wir unser Verhalten nicht immer vollständig überwachen und uns in unseren Gedanken verlieren. 

Foto von  Gonard Fluit  auf  Unsplash

Foto von Gonard Fluit auf Unsplash

Wie sich das anfühlt, haben Sie wahrscheinlich auch schon erlebt, wenn Sie eine Weile auf Autopilot geschaltet hatten und sich plötzlich wieder Ihrer Umgebung bewusst werden. Eben waren Sie noch auf der Autobahn, doch jetzt sind Sie schon in Ihrem Wohngebiet. Sie können sich aber überhaupt nicht mehr daran erinnern, wie Sie genau dorthin gekommen sind, weil die letzten Minuten wie aus Ihrem Gedächtnis gelöscht sind. Dieser Zustand wird auch als Autobahntrance bezeichnet. 


4. Trügerische Langeweile - Telefonate und andere Ablenkungen

Weil das Autofahren eine automatisierte Tätigkeit für uns ist, kann es sein, dass wir völlig abschalten und auf Autopilot schalten, es kann aber auch sein, dass wir uns langweilen. Zu fahren beansprucht nicht viel von unserer kognitiven Kapazität. Wir haben das Gefühl, dass wir alles unter Kontrolle haben und fühlen uns unterfordert. Gleichzeitig hätten wir gefühlt 10 000 Dinge zu erledigen, sitzen aber hinterm Steuer fest und unsere Hände kleben am Lenkrad. Unser Smartphone, das meist direkt neben oder vor uns ist, verführt uns dazu, wenigstens ein paar dieser Dinge zu erledigen: Schnell auf eine Nachricht zu antworten oder bei der Autowerkstatt anzurufen, um einen Kontrolltermin auszumachen. Und wenn wir schon nichts von unserer ToDo-Liste abhaken können, dann wollen wir doch wenigstens ein bisschen Unterhaltung: Musik hören, die neueste Folge unseres Lieblingspodcasts oder das spannende Hörbuch, das uns gerade in seinen Bann zieht. Da passiert es schnell, dass wir unsere Aufmerksamkeit statt auf die Straße, auf das Display unseres Smartphones richten. Wenn das für mehrere Sekunden passiert, erhöht sich das Unfallrisiko. Eine ausgedehnte Studie fand, dass 80% der Unfälle und 65% der Beinahe-Unfälle Fahrern und Fahrerinnen passierten, die bis zu 3 Sekunden nicht auf die Straße achteten. ³

Multitasking-Falle - Was passiert, wenn wir beim Fahren telefonieren

Noch gefährlicher kann es aber sein, beim Fahren zu telefonieren. Beginnt man ein Telefongespräch, steigt das Unfallrisiko erstmal nur wenig und nicht so sehr, wie wenn man den Blick von der Fahrbahn abwendet.4 Das Problem beim Telefonieren ist allerdings, dass man nicht für drei Sekunden telefoniert, sondern für längere Zeit. Das erhöhte Unfallrisiko addiert sich über den gesamten Zeitraum.

Foto von  Damir Kopezhanov  auf  Unsplash

Egal wie geübt und automatisiert, braucht das Autofahren doch immer noch einen Teil unserer kognitiven Kapazität. Wenn wir eine weitere Aufgabe hinzufügen, belegt sie einen weiteren Teil dieser Kapazität. Es ist gut möglich, dass unser Gehirn beides ganz gut bewältigt - zumindest so lange die Straße gerade ist und wenig Verkehr herrscht. Wenn sich die Bedingungen ändern und der Verkehr mehr Aufmerksamkeit verlangt, wird es problematisch. So können wir beim Fahren auf einer geraden, leeren Straße ohne Probleme Matheaufgaben lösen, auf einer kurvigen, steilen Straße sieht es aber schon anders aus. Eine der beiden Aufgaben leidet entweder das Autofahren oder die Matheaufgaben und wir werden langsamer und machen mehr Fehler - hoffentlich nur beim Rechnen. So ist es auch beim Telefonieren: wir werden schlechtere Fahrer und schlechtere Gesprächspartner. Die Tatsache, dass die Informationen, die über unsere Ohren reinkommen (das Gespräch) nichts mit den Informationen zu tun haben, die unsere Augen aufnehmen (die Straße vor uns), macht es schwierig beides gleichzeitig zu verarbeiten.



5. Trügerische Sicherheit - Wie uns sichere Autos und Straßen zu mehr Fehlern verleiten

Sobald wir das Gefühl haben, wir haben alles unter Kontrolle, trauen wir uns mehr zu und werden waghalsiger. Wir suchen dann nicht nur nach Ablenkung durch Unterhaltung und Telefonate, sondern ändern auch unser Fahrverhalten: Je sicherer wir uns in unserem Auto oder auf der Straße fühlen, desto schneller und unvorsichtiger fahren wir. 

Wenn ich in Deutschland mit der alten Klapperkiste meiner Oma unterwegs bin, fahre ich automatisch viel langsamer, weil beim Fahren alles ruckelt und scheppert. Wenn ich aber in einem schicken, modernen Mietwagen sitze, was auch ab und zu vorkommt, muss ich ständig aufpassen, dass ich nicht zu schnell fahre. Der Wagen rollt so geschmeidig und ruhig, dass ich gar nicht mitbekomme, wie schnell ich fahre. 


Seit die ersten Autos gebaut wurden, wurden sie immer sicherer. Jahr für Jahr werden neue Features entwickelt, die für mehr Sicherheit sorgen: Sicherheitsgurte, AirBags, ABS, Warnsysteme, etc. All diese Innovationen bleiben jedoch meist hinter den Erwartungen zurück und verhindern nicht so viele Verletzungen und Unfälle, wie erwartet. Egal wie gut diese Sicherheitsfeatures sind, so lange sie dazu führen, dass sich auch die Person hinterm Steuer sicherer fühlt, muss man damit rechnen, dass sie unvorsichtiger fährt und somit mehr Unfälle provoziert. Richtig für Sicherheit werden sie wahrscheinlich erst sorgen, wenn sie den Menschen am Steuer ersetzt haben.



Warum Straßen, die es den Autos leicht machen, nicht unbedingt sicherer sind

Nicht nur das Auto an sich beeinflusst, wie schnell und vorsichtig wir fahren, sondern auch die Straßenverhältnisse. Auf einer neu gebauten Autobahn fahren wir schneller als auf einer kurvigen Landstraße voller Schlaglöcher. Die Straßen zeigen uns, wie schnell wir fahren können. Je sicherer sie auf uns wirken, desto schneller fahren wir. Manche Straßen sind sogar so konzipiert, dass sie Fahrfehler ausgleichen oder zumindest darauf aufmerksam machen, indem sie extra breite Spuren haben, mit Leitplanken abgesichert sind oder mit Rüttelstreifen warnen, wenn Autos drohen von der Fahrbahn abzukommen.

Foto von  Raul Taciu  auf  Unsplash

Foto von Raul Taciu auf Unsplash

Das heißt aber nicht, dass Straßen und Verkehrssituationen, die es dem Fahrer oder der Fahrerin besonders leicht machen, auch besonders sicher sind. Wenn Kurven beispielsweise mit Reflektoren markiert sind, fahren Autos tendenziell schneller und es gibt mehr Unfälle, fand zumindest eine Studie in Finnland. 5 Zudem wird in Kurven mit angegebener Geschwindigkeitsbegrenzung schneller gefahren als in Kurven ohne Geschwindigkeitsangaben. 6 Ohne Schild müssen sich die Fahrenden auf ihr Gefühl verlassen und mit etwas Vorsicht in die Kurve fahren, während die Schilder ihnen genau vorgeben, wie schnell sie fahren können.

Aus dem selben Grund ist ein Kreisverkehr auch sicherer als eine Kreuzung mit Ampel. 7 Während Ampeln den Fahrerinnen und Fahrern genau sagen, wann sie fahren dürfen, müssen sie sich beim Kreisverkehr konzentrieren und den richtigen Moment abpassen, in den Verkehrskreisel einzufahren. Verkehrskreisel bereiten damit zwar mehr Stress und fordern mehr Aufmerksamkeit als Ampeln, sorgen aber für mehr Vorsicht und Sicherheit. Wenn uns eine Verkehrssituation also gefährlich vorkommt, ist sie wahrscheinlich sicherer, als wir denken. Problematisch wird es eher, wenn wir uns in unserem modernen Auto auf der schönen breiten Straße zu sicher fühlen und fahrlässig werden. 


Und jetzt, was kann man tun?

Das eigene Fahrverhalten zu verbessern und Fehler zu vermeiden, ist also gar nicht so einfach. Es gibt kaum Rückmeldung, die hilft, Fehler rechtzeitig zu erkennen. Falls Fehler doch mal bemerkt werden, vergessen wir sie schnell wieder, und dann sehen wir noch jede Maßnahme für etwas mehr Sicherheit als Signal, dass wir unvorsichtiger fahren können. Nicht die einfachsten Bedingungen für Verbesserungsmaßnahmen, aber keine Sorge, ein paar Dinge gibt es schon, die helfen. 


Beinahe-Unfälle als Informationsquelle nutzen

Manchmal machen sich Fehler doch bemerkbar ohne gleich zu Unfällen zu führen und diese Beinahe-Unfälle kann man als Informationsquelle nutzen. Natürlich ist nichts dagegen zu sagen, nach dem ersten Schreck, erleichtert aufzuatmen und sich zu freuen, dass nichts passiert ist. Statt jetzt aber davon auszugehen, dass der Unfall nur deshalb nicht passiert ist, weil man so gut fahren kann, sollte man sich lieber überlegen, wie es überhaupt dazu gekommen ist. Meistens gibt es irgendeinen Auslöser, hat man ihn gefunden, sollte man dieses Verhalten in Zukunft besonders gut überwachen und versuchen, es zu vermeiden. Das wird nicht immer gelingen, aber jedesmal, bei dem es gelingt, ist schon ein Gewinn. Viel anders funktioniert die Methode von DriveCam mit der kleinen Kamera am Rückspiegel auch nicht und sie schafft es alleine dadurch, Unfälle zu vermeiden.


Feedback vom Beifahrersitz

Es gibt noch eine andere Möglichkeit, an diese oft unbewussten Fehlverhalten zu kommen, die erfordert aber etwas Mut, ein dickes Fell und eine stabile Beziehung: Man kann die Person auf dem Sitz neben sich um Feedback bitten. Als Beifahrer oder Beifahrerin hat man einen ganz anderen Blick auf die Straße und reagiert intuitiv, wenn man sich unsicher fühlt. Da man selbst nicht die Kontrolle über das Fahrzeug hat und der Situation ausgeliefert ist, nimmt man Risiken ganz anders wahr als die Person hinterm Steuer. Beifahrer und Beifahrerinnen können so wertvolle Hinweise geben, bei welchen Fahrmanövern sie sich unsicher fühlen. 

Foto von  Rudy Barrientos  auf  Unsplash

Oft genug bieten sie auch Feedback von sich aus an. Meistens würde man natürlich gerne darauf verzichten und ist eher genervt. Aber sehen Sie es doch einfach als Geschenk an, auch wenn Sie es nicht unbedingt haben wollten. Versuchen Sie mal, neben Ihrem Ärger die Punkte zu sehen, in denen Ihr Beifahrer oder Ihre Beifahrerin Recht haben könnte.

Und noch ein letzter Punkt. Überlegen Sie sich bewusst, wie viel kognitive Kapazität Sie zusätzlich zum Fahren opfern wollen. Müssen Sie das Telefonat tatsächlich jetzt erledigen oder kann es noch warten, bis Sie angekommen sind? Sie müssen nicht immer auf’s Telefonieren verzichten, aber es kann sinnvoll sein, vorher zu überlegen, wie die Bedingungen auf der Strecke sind und wie sehr Sie das Telefonat möglicherweise in Anspruch nimmt.

Jetzt können Sie wahrscheinlich immer noch nicht genau sagen, wie gut oder schlecht Sie fahren, aber wissen hoffentlich, woran das liegt. Ich hoffe, die Erklärungen aus Tom Vanderbilts “Traffic”, warum wir so blind gegenüber unserem Fehlverhalten beim Fahren sind, haben auch bei Ihnen für ein paar Aha-Erlebnisse gesorgt. Und im allerbesten Fall helfen Sie Ihnen, Fahrfehler in Zukunft eher zu bemerken und zu vermeiden und sich nicht von sicher wirkenden Bedingungen einlullen zu lassen.

Gute Fahrt!




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Verweise

[1] Vanderbilt, T. (2008). Traffic: Why we drive the way we do (and what is says about us). New York, NY: Vintage.

[3] Klauer, S.G., Dingus, T.A., Neale, V. L., Sudweeks, J.D., & Ramsey, D.J. (2006). The impact of driver inattention on near-crash/crash risk: An analysis using the 100-car naturalistic driving study data. Washington, DC: US Department of Transportation National Highway Traffic Safety Administration.
Online verfügbar unter: https://vtechworks.lib.vt.edu/bitstream/handle/10919/55090/DriverInattention.pdf

[4] Klauer, S.G., Dingus, T.A., Neale, V. L., Sudweeks, J.D., & Ramsey, D.J. (2006). The impact of driver inattention on near-crash/crash risk: An analysis using the 100-car naturalistic driving study data. Washington, DC: US Department of Transportation National Highway Traffic Safety Administration.
Online verfügbar unter: https://vtechworks.lib.vt.edu/bitstream/handle/10919/55090/DriverInattention.pdf

[5] Kallberg, V.-P. (1993). Reflector posts - signs of danger? Washington, DC: Transportation research record No. 1403.

[6] Comte S. L. , Várhelyi A., & Santos J. (1997). The effects of ATT and Non-ATT systems and treatments on driver speed behaviour. Espoo, Finland: VTT, Working Paper R 3.1.1 in the MASTER project.

Beitragsbild von Jaromír Kavan auf Unsplash