Worum geht es denn nun konkret? - Die 6 Forschungsfragen des Lerchenexperimentes

Heute ist der erste Tag des Lerchenexperimentes. Ich bin ein bisschen aufgeregt und ich freue mich, auch wenn heute nicht wirklich viel passieren wird, weil es ja in den ersten zwei Wochen nur darum geht, meinen Alltag zu dokumentieren. Am meisten freue ich mich darüber, dass ich nach Wochen des Zweifelns, Hinterfragens und der Recherche tatsächlich mit dem Experiment anfange. 

Damit wird es auch Zeit, dass ich endlich mehr darüber erzähle, worum es konkret geht, und zum Herzstück des Experimentes komme: den Forschungsfragen, also den Fragen, die ich mit dem Experiment beantworten will. Nach den Forschungsfragen richtet sich alles: der Aufbau des Experimentes, die Maße, die Erhebungsinstrumente und auch die Hypothesen. Ohne konkrete Forschungsfrage(n) lässt sich ein Experiment gar nicht planen.

Was sind meine Forschungsfragen und wo kommen sie her?

Das große, etwas utopische Ziel meiner Experimente zu Selbstoptimierung ist es, die Diskussion um Selbstoptimierung voranzubringen. Mich nervt es, dass sie an einem Punkt feststeckt, an dem immer wieder dieselben Pro- und Kontra-Argumente hervorgebracht werden, aber sonst nichts weiter passiert. Zur Orientierung und für einen besseren Überblick habe ich hier eine Übersicht dieser Argumente eingefügt. Mehr Informationen zu den Pro-Argumenten gibt es hier und zu den Kontra-Argumenten hier.

Die Argumente für Selbstoptimierung

  • Kontrolle
  • Persönliches Wachstum
  • Selbstbestimmtheit
  • Zufriedenheit
  • Stolz
  • Glück
  • Ausstrahlung der positiven Effekte auf andere Bereiche

Die Argumente gegen Selbstoptimierung

  • Selbstoptimierung ist zur Pflicht geworden
  • Selbstoptimierung bedeutet Stress
  • Wer nicht mitmachen kann oder will, bleibt zurück
  • Selbstoptimierung macht egoistisch
  • Selbstoptimierung macht effizienzgeil, alles wird nach Kosten-Nutzen-Aspekt beurteilt
  • Selbstoptimierung ist oberflächlich und geistlos

Eigentlich sind diese Argumente nur Versprechungen und Befürchtungen, also allgemeiner und neutraler: Annahmen. Es sind Annahmen und keine Tatsachen, weil niemand genau weiß, ob sie zutreffen. Dass Selbstoptimierung egoistisch macht, weil sie dazu führt, dass man sich mit sich selbst beschäftigt und Zeit für sich beansprucht, klingt logisch. Dass Selbstoptimierung helfen kann, sein Leben unter Kontrolle zu kriegen, weil sie zur Dokumentation von Verhalten und Disziplin zwingt, leuchtet ein. Aber Logik und Nachvollziehbarkeit machen diese Annahmen noch lange nicht zu Tatsachen. Sie immer wieder zu wiederholen, bringt die Diskussion nicht weiter, also ist es an der Zeit, zu überprüfen, was wirklich an ihnen dran ist.

Am liebsten würde ich gleich alle Annahmen auf einmal überprüfen, im ersten Experiment kann ich allerdings leider nur einen Teil testen. Zu viele Forschungsfragen würden das Experiment überladen und die Qualität der Daten beeinträchtigen, weil ich nur noch damit beschäftigt wäre, mein Verhalten und meine Gefühle zu dokumentieren. Außerdem sind nicht alle Annahmen im Kontext des Lerchenxperimentes auf sinnvolle Weise testbar, zum Beispiel fiele es mir schwer, einen direkten Einfluss von frühem Aufstehen auf persönliches Wachstum nachzuweisen.

Im Lerchenexperiment habe ich mich für die folgenden Forschungsfragen entschieden:

  1. Macht Selbstoptimierung glücklich?
  2. Stresst Selbstoptimierung?
  3. Gibt mir Selbstoptimierung mehr Kontrolle über mein Leben?
  4. Steigert mein Selbstoptimierungs-Projekt meine Zufriedenheit mit mir selbst?
  5. Macht mich Selbstoptimierung egoistischer?
  6. Macht mich Selbstoptimierung altruistischer?

Die letzten beiden Forschungsfragen widersprechen einander. Bei diesen zwei Fragen ist auch noch sehr vieles offen, vor allem die Frage, wie ich Altruismus und Egoismus in meinem Alltag erfassen kann. Dazu später mehr. Im Lerchenexperiment sind diese Fragen nicht zentral, ich will es nutzen, um mich ihnen anzunähern und mehr darüber herauszufinden, wie ich sie beantworten kann.

Offene Hypothesen

Zusammen mit den Forschungsfragen sind die Hypothesen ein zentrales Element von Experimenten. Sie stellen die Annahmen dar, die mit dem Experiment überprüft werden sollen. Im Lerchenexperiment habe ich mich für offene Hypothesen in Form von Fragen entschieden, weil jede weitere Spezifizierung zum aktuellen Kenntnisstand nicht angebracht wäre und die Hypothesen mit weiteren ungeprüften Annahmen umgeben würde. Die Forschungsfragen sind daher gleichzeitig meine Hypothesen.

Die Fragen stehen, jetzt ist es an mir, an den Antworten zu arbeiten, indem ich brav jeden Morgen und Abend meinen Erhebungsbogen ausfülle. Wie dieser Erhebungsbogen aussieht und was ich genau erhebe, beschreibe ich im nächsten Beitrag. Ich gespannt und neugierig, weil ich wirklich nicht genau weiß, was rauskommen wird. Vieles kann in beide Richtungen gehen, das frühe Aufstehen kann zu mehr Ruhe und Ordnung in meinem Alltag führen, aber auch zu mehr Stress. Es kann mich egoistischer machen, weil ich mehr auf meine Schlafenszeiten achten muss, aber auch altruistischer, weil ich mich durch das Mehr an Zeit am Morgen freier fühlen könnte, anderen zu helfen. In sechs Wochen werde ich es wissen!

 

Verweise

Foto von Diego PH auf Unsplash